Häufig gestellte Fragen

Islamismus

Islamismus bezeichnet ein Konzept, in dem die jeweilige Interpretation des Islams nicht nur die persönliche Beziehung zu Gott definieren soll, sondern auch ein allumfassendes gesellschaftliches und staatliches Ordnungssystem bestimmt. Diese Interpretationen können widersprüchlich zueinander sein und bilden somit eine heterogene Bewegung, ohne klaren Konsens gemeinsamer Inhalte.

Der Begriff „Salafismus“

Der Begriff „Salafismus“ leitet sich von der arabischen Bezeichnung für die ersten drei Generationen der Muslime ab. Diese „rechtschaffenen Altvorderen“, die „al-salaf al-salih“, gelten für die meisten Muslime aufgrund ihrer Nähe zum Propheten Mohammed als Vorbild. Problematisch ist die Verwendung des Begriffs „Salafismus“ deshalb, weil er sich einen von der Mehrheit der Muslime positiv besetzten Begriff zu eigen macht, um eine bestimmte, stark politisierte Szene außerhalb des Mehrheitsislams zu beschreiben. Zwar ist der Begriff sowohl im wissenschaftlichen als auch im medialen Diskurs üblich, jedoch sollte langfristig eine Alternative gefunden werden. Zumal alleine aus der Bezugnahme auf die Salaf keine eindeutigen ideologischen Inhalte ableitbar sind, was Bewegungen deutlich machen, die sich ebenso auf die Salaf beziehen, darin jedoch eine Möglichkeit zur Anknüpfung an die Moderne sehen. 

Salafismus

Anders als der Bezug auf die ersten Generationen von Muslimen nahelegt, beschreibt Salafismus eine rigoros puristische Reformbewegung der Moderne, die sich aus der Kombination der wahhabitischen Glaubenslehre mit dem politischen Aktivismus des Islamismus entwickelte.

Aus dieser Verschmelzung gingen international wiederum heterogene Bewegungen hervor. In Deutschland wird das Heranwachsen einer solchen seit etwa der Jahrtausendwende verstärkt beobachtet.

Kennzeichnend für salafistische Szenen in Deutschland ist weniger ein gemeinsames, detailliert ausgearbeitetes, theologisches Fundament, sondern vielmehr das jeweilige Verständnis als einzig wahre Muslime, damit einhergehende Ablehnung anderer etablierter islamischer Strömungen, die oberflächliche Anknüpfung an die ersten muslimischen Generationen in Form eines Dresscodes oder Verhaltensweisen, eine öffentliche Missionierungsarbeit mit ausgeprägtem Bezug auf Deutschland und die Lebenswelten hiesiger Jugendlicher sowie ein absoluter Wahrheitsanspruch, der sich aus der wörtlichen Auslegung selektiver Inhalte aus Koran und Sunna ergibt.

Attraktivität salafistischer Angebote

Die Attraktivität salafistischer Angebote besteht in erster Linie nicht aus ihrem religiösen Angebot, sondern darin, dass sie es vermögen, Jugendliche in ihren Lebenswelten anzusprechen. 
Anders als viele etablierte Verbände, die oft nach Herkunftsländern oder religiösen Strömungen organisiert sind, richten sie sich an Jugendliche jedweden Hintergrundes. Diesen bieten sie unter anderem einfache Identitätsmuster, klare Vorgaben für ein „richtiges“ Leben und geordnete Tagesabläufe, die Integration in eine Gruppe von „Brüdern“, die Zugehörigkeit und Halt bietet, ein bipolares Weltbild, in dem „die Muslime“ durch „den Westen“ unterdrückt werden und in dem Erfahrungen von Marginalisierung oder Ungerechtigkeit eingeordnet und verstärkt werden können.
Gleichzeitig wird das Gefühl vermittelt durch Missionierung etwas Gutes für Muslime tun zu können, Verantwortung zu übernehmen und sich durch die Verbreitung von „göttlicher Wahrheit“ aufzuwerten und Geltung zu verschaffen. Die Vielzahl von Motiven für den Einstieg in die salafistische Szene von Menschen verschiedenster Hintergründe verdeutlicht die Notwendigkeit breitgefächerter Präventionsangebote, die Jugendliche in ihrer individuellen Situation ansprechen können.

Islamistisches Personenpotenzial in Deutschland

Die hier dargestellten Zahlen sind zum einem dem "Verfassungsschutzbericht 2018" des Bundesamtes für Verfassungsschutz (abrufbar unter: https://www.verfassungsschutz.de/de/download-manager/_vsbericht-2018.pdf) und zum anderen dem saarländischen "Lagebild Verfassungsschutz 2018" (abrufbar unter: https://www.saarland.de/250161.htm) entnommen. 

Bundesweit werden 26560 Personen dem islamistischen Spektrum zugeordnet, davon 11300  der salafistischen Szene.

Im Saarland wird eine Zahl von 360 als islamistisch erfassten Personen angegeben, 325 davon werden dem salafistischen Spektrum zugeordnet. 

Prävention

Die Attraktivität salafistischer Angebote durch klare Eindeutigkeit und Missionierung, die speziell Lebenswelten von Jugendlichen aufgreift, verdeutlicht die Notwendigkeit von Prävention, die Jugendliche gegen diese Eindeutigkeits-Angebote wappnet. Prävention richtet sich dabei nicht zwingend an eine spezifische Gruppe, sondern soll auf gesamtgesellschaftlicher Breite als positiv verstandene Haltungen verstärken und stabilisieren.

Antimuslimischer Rassismus

Beim Begriff des „antimuslimischen Rassismus“ steht nicht die Religion im Vordergrund, sondern die Ausgrenzung von bestimmten Minderheiten. Beim „Rassismus“ werden gesellschaftliche Machtgefälle mitgedacht. Der antimuslimische Rassismus ist eine Form des Kulturrassismus. Biologische, kulturelle und religiöse Aspekte werden hier so miteinander vermengt, dass Menschen zu einer Art „Rasse“ gemacht würden. Der Islam wird dabei als etwas Unveränderliches angesehen. Der Begriff und das dazugehörige Konzept kommen aus der Rassismusforschung. (https://mediendienst-integration.de/ artikel/was-unterscheidet-islamfeindlichkeit-von-islamophobie.html, abgerufen 06.12.2019)

Antimuslimische Übergriffe - Situation in Deutschland

2018 wurden insgesamt 910 islamfeindliche Straftaten gezählt; die Zahl der dabei Verletzten hat im Vergleich zu 2017 deutlich zugenommen und lag 2018 bei 74 Personen. Doch das Problem ist viel größer: Die Dunkelziffer islam- und muslimfeindlicher Straftaten wird von Expert*innen auf das Achtfache geschätzt. (https://www.allianzgegenhass.de/, abgerufen 07.04.2020)

Für 2019 liegen bereits vorläufige Zahlen zu Angriffen auf religiöse Einrichtungen und Religionsstätten vor. Demnach gab es 184 solcher Angriffe. Bis 2018 wurden nur Angriffe auf Moscheen erfasst, deswegen fallen die Zahlen in den Vorjahren deutlich geringer aus und lassen sich nicht mit aktuellen Angaben vergleichen. (Deutscher Bundestag– Drucksache 19/11240)